Osteria Maria, Berlin.

Gourmetrix 22. November 2011 1
Osteria Maria, Berlin.
  • Ambiente
  • Service
  • Essen
  • Wohlfühlfaktor
  • Preis/Leistung
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Ein Abend bei Mama Italia: Essen, trinken, singen, feiern.

Die Osteria Maria in Steglitz ist kein Restaurant. Das ganze ist schon mehr ein echtes Happening, eine Show, so als ob man ins Theater oder in ein Konzert geht. Beim ersten Mal wurde ich ohne Vorwarnung mitgenommen und war nach dem Abend in jeder Hinsicht platt. Ich kenne nichts Vergleichbares und im Prinzip glaubt man es wohl auch nur, wenn man es mal miterlebt hat. Einen Tisch bekommt man nur auf telefonische Vorbestellung – 4 Wochen sind ratsam damit man im Hauptraum sitzt. Erstens sind die Veranstaltungen immer ca. 2 Wochen vorher ausverkauft, zweitens folgt das Konzept nicht dem Prinzip herkömmlicher Restaurants. Es handelt sich um eine geschlossene Privatveranstaltung. Der Abend kostet 55 € (vor einigen Jahren noch 50 €) und da ist alles enthalten: Essen mit ca. 16-20 Gängen (wie man eben zählt), Hauswein weiß und/oder rot oder Bier und Wasser soviel man möchte, Prosecco zur Begrüßung, hinterher Kaffe und Grappa….und die musikalische Untermalung. Es ist allerdings zu befürchten, dass sich die Preise mit der Zeit nach oben verändern könnten. Aktuell ist das Preis-Leistungsverhältnis schier unglaublich.

Alles beginnt mit der Anreise. Die Osteria ist mit der S-Bahn (Rathaus Steglitz) also mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Ein Auto empfiehlt sich bei dem was man hier fast gezwungenermaßen mittrinkt nicht. In einer ruhigen Seitenstraße, mitten im unscheinbaren Wohngebiet, weißt nur ein kleines Außenschild auf die Räumlichkeit hin. Man betritt das Foyer und dann geht es auch schon in den Keller. Dort zeigt sich ein gigantischer Innenraum, der mit extremer Detailliebe gestaltet ist. Der Vorderraum ist mit rustikaler Bar und großen Schinken hinter einer Glaswand gestaltet, die hohen Haupträume sind reichhaltig kunstvoll bemalt und muten fast wie eine Kathedrale an. Darin stehen schwere alte, mit Metall beschlagene und Kerzenständern dekorierte Holztische und hohe Stühle mit Lederbezug. Auf den Tischen stehen bereits allerlei Antipasti sowie eine Flasche Rotwein (2 L) und Wasser bereit. Beim Betreten wird bereits ein Prosecco mit Likörschuß gereicht. Pünktlich um 19:30 startet das Event. Zu den Antipasti (eingelegte weiße Bohnen, Mozarella mit Tomaten, eingelegtes Gemüse, verschiedene Pasten, Oliven, Carpaccio,….insgesamt 12 Vorspeisen) wird frisches Brot gereicht, dass man sich sprichwörtlich vom dampfenden Humpen abbrechen muss. Dazu kommen Lagen frisch geschnittene Mortadella und Parma Schicken (die Schnittmaschinen sieht man bereits am Abgang in den Raum stehen). Man sollte sich bei der Antipasti etwas zurückhalten, sonst wird es später schwierig überhaupt alles zu probieren. Danach wird auf einem riesigen Blech frische Bruschetta aus dem Ofen gereicht (köstlich!). Als nächstes kommt ein Gang mit Rissotto (wechselnd, beim letzten Mal mit Steinpilzen). Die Verteilung läuft nach dem Prinzip „wie bei Mama“. Jemand kommt mit dem großen Topf samt Kelle und haut´s auf den Teller. Wer mehr will, kann’s haben. Danach wird mit einer Nudelkreation (bspw. Pasta mit Bolognese) nach dem gleichen Prinzip verfahren. Im Normalfall ist man jetzt schon ein wenig satt und hat eine Flasche Rotwein intus. Aber das waren erst die Vorspeisen. Als Zwischengang folgt das heimliche Highlight des Abends: Grappatrauben. Das sind einfache, meist kernlose Esstrauben, die in Grappa eingelegt wurden. Manchmal länger (am besten), manchmal weniger lang (ist leider in den letzten Jahren schlechter geworden). In jedem Fall befreit das den Magen, geht aber auch ordentlich ins Blut. Nicht zu vergessen beginnt bereits mit den Vorspeisen italienische Musik, meist aus Gitarre und Gesang. Je nach Interpret und Konstellation des Publikums habe ich hier schon alles erlebt. Mitsingen, tanzen, Verbrüderung von fremden Tischen. In jedem Fall packt es einen irgendwann.

Aber nach den Grappatrauben geht es weiter. Bei dem Hauptgericht hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Früher bestand das ganze aus Hähnchenstücken sowie Lamm mit Bohnen und Kartoffeln. Die letzten Male gab es stattdessen Garnelen, Ente mit Kartoffelbrei und Gulasch…Wohlgemerkt nicht nach Wahl sonder man bekommt alle 3 Gänge!

Auch wenn die alte Variante ohne Zweifel authentischer war, ist die neue doch etwas hochwertiger. Das mag aber auch Geschmackssache sein. Man sollte hier kein Gourmetessen erwarten. Es handelt sich bewusst um eine wirklich gute und schmackhafte Landküche. Das sensationelle ist ohnehin das Zusammenspiel aller Einzelkomponenten. Der trockene, süffige rote Landwein, ist sicher nichts für den romantischen Kaminabend, aber für diesen Abend und das Essen perfekt.

Aber wir sollten die Nachspeisen nicht vergessen. Da gibt es meist einen großen Löffel in Milchreis getaucht und eine Art Pudding. Hat man das geschafft gibt es den verdienten Kaffee mit Grappa. Können auch mal zwei werden.

Man sollte wirklich früh genug reservieren. Das letzte Mal kamen wir zum ersten Mal in den oberen Raum. Auch sehr schön, aber kein Vergleich zu den Katakomben. Aber ich will nicht zu viel meckern. Die Osteria hat durch den Erfolg in den letzten Jahren ein klein wenig Charme eingebüsst – das ist wohl der Preis. Aber es ist immer noch absolut sensationell.

Beim Zahlen übrigens nicht vergessen: Man nimmt nur Bares. Eine Rechnung gibt es nicht, ist ja eine Privatveranstaltung.

Preiskategorie: GÜNSTIG

Öffnungszeiten: Don., Fr., Samstag ab 19:30 Uhr

www.osteriamaria.de
Leydenallee 79  
12167 Berlin
030 79748363

One Comment »

  1. avatar
    Joe 22. Dezember 2011 at 08:35 - Reply

    Genial!

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